4-Stufen-Methode

Überblick

  • Auf den Lerninhalt kommt es an!
  • Meine Seminarteilnehmer haben in der Prüfung zum AdA-Schein folgenden Standpunkt erfolgreich vertreten.
  • Wie sieht die moderne Variante der Vier-Stufen-Methode aus?
  • Wie unterscheidet sich die 4-Stufen-Methode vom Lehrgespräch?
  • Tipp sowohl für das Lehrgespräch, als auch für die Vier-Stufen-Methode
  • Was würden Sie antworten?

 

Auf den Lerninhalt kommt es an!

Für welche Lerninhalte ist die 4-Stufen-Methode (auch: “Vier-Stufen-Methode”) angemessen … und nicht das Lehrgespräch?

Es kommt auf das Lernziel und damit auf den Lerninhalt an!

Auszug aus der eMail einer Dame, die durch den praktischen Teil der Ausbildereignungsprüfung gefallen war: 

“… Ich werde bei der Wiederholungsprüfung nicht mehr die 4-Stufen-Methode anwenden. Die Literatur scheint sich wohl auch nicht einig zu sein, in welchen Fällen diese Methode die richtige ist. Zum Ausfüllen von Formularen wird teilweise ausgeführt, dass das kein psychomotorischer Inhalt sei, andere Quellen sagen, dass das Ausfüllen von Formblättern per 4-Stufen-Methode gemacht werden soll. …”

 

Meine Seminarteilnehmer haben in der Prüfung zum AdA-Schein folgenden Standpunkt erfolgreich vertreten

  • Die Vier-Stufen-Methode wird in der Literatur durchgängig als Methode ausschließlich für psychomotorische Inhalte dargestellt.
  • Die 4-Stufen-Methode soll verwendet werden, wenn der Lernende einen bestimmten Bewegungsabläufe erlernen / verinnerlichen soll. Mund- und Zungenformung beim Sprechen und die Feinmotorik der Hand beim Schreiben wird der Auszubildende bereits im Kleinkind- / Schulkindalter gelernt haben …
  • Das Ausfüllen-Können eines Formulars enthält im Normalfall keine psychomotorische Lerninhalte. (theoretische Ausnahme: Der Azubi soll die Buchstaben und Ziffern so perfekt schreiben lernen, dass sogar eine schlechte Klarschriftlese-Software die Buchstaben einwandfrei erkennen kann … und das auch noch von der vierten Durchschreibe-Kopie.)
  • Die 4-Stufen-Methode sollte in der modernen Variante angewendet werden.

 

Wie sieht die moderne Variante der Vier-Stufen-Methode aus?

Die moderne Variante der 4-Stufen-Methode erfordert schon in Stufe 2 (‘Vormachen und Erklären’) eine aktive Einbeziehung des Auszubildenden, insbesondere durch Fragen, ggf. auch durch Tun: Der Ausbilder lenkt dabei den Auszubildenden quasi wie eine Marionette. Das Fragen-Beantworten und das Tun durch den Azubi hat zwei entscheidende Vorteile:

  • höhere Motivation des Auszubildenden durch die Aktivierung,
  • wirkungsvolleres Vorbereiten auf das dann folgende Nachmachen- und Erklären-Können.

Das ist auch die Begründung, weshalb das rein passive Verhalten des Auszubildenden in Stufe 2 (Vormachen und Erklären durch den Ausbilder = Zuschauen und Hinhören durch den Auszubildenden) bei der ‘klassischen’ 4-Stufen-Methode nicht mehr als angemessen gilt!

 

Wie unterscheidet sich die 4-Stufen-Methode vom Lehrgespräch?

Die moderne Variante der 4-Stufen-Methode unterscheidet sich bei den Stufen 1, 2 und 3 nicht vom Lehrgespräch! Aber die Vorgehensweise in Stufe 4 ist bei der 4-Stufen-Methode völlig anders als beim Lehrgespräch.

Nachdem einem Auszubildenden beim Lehrgespräch der kognitive (und ggf. auch affektive) Lerninhalt vermittelt wurde, zum Beispiel das Ausfüllen eines Formulars, dann sollte abschließend in einer Erfolgskontrolle geprüft werden, ob der vermittelte Lerninhalt bei Lernenden tatsächlich auch ‘angekommen’ ist. Selbst wenn der Lernende die Erfolgskontrolle bestanden hat, ist es erforderlich, dass er den Lerninhalt schon möglichst sofort in der Praxis anwendet, um ihn zu festigen. – Deshalb wird innerhalb der Ausbildereignungsprüfung (praktischer Teil) von den Prüfer darauf geachtet, dass der Prüfling auch einen Impuls für den ‘Praxistransfer’ setzt.

Bei der 4-Stufen-Methode kann es erst sehr viel später eine Erfolgskontrolle geben; denn für psychomotorische Lerninhalte ist es typisch, dass sie vielfach eingeübt werden. Deshalb wird die 4. Stufe der Vier-Stufen-Methode häufig auch mit ‘Üben, Üben, Üben’ bezeichnet. – Das kann an einem einfachen Beispiel nachvollzogen werden: Stellen Sie sich bitte vor, jemand versucht Ihnen beizubringen, wie man kegelt oder wie Sie die Kugel beim Bowlen halten und auf die Bahn setzen sollten. Selbst wenn Sie das schon beim anschließenden Nachmachen einigermaßen gut hinbekommen: Um wirklich gut kegeln / bowlen zu können, müssen Sie üben, üben, üben …

 

Tipp sowohl für Lehrgespräch, als auch für die Vier-Stufen-Methode

Der folgende Tipp zur richtigen Ausbildungsmethode gilt sowohl für kaufmännische als auch für gewerbliche Berufe:

Überlegen Sie sich für Ihre Unterweisung bei der AdA-Prüfung zunächst mehrere Lerninhalte, die Sie selbst perfekt beherrschen und die für den betreffenden Ausbildungsberuf typisch sind! Wählen Sie also keinen Lerninhalt, in dem Sie sich selbst noch nicht so sattelfest fühlen!

Entscheiden Sie sich dann für einen (auch aus Prüfer-Sicht) attraktiven Lerninhalt; denn erfahrungsgemäß neigen Prüfer dazu, ‘primitiv’ erscheinende Lerninhalte subjektiv schlechter zu bewerten, obwohl der Inhalt bei der Bewertung gar keine Rolle spielen darf. (Die Bewertungen durch die IHK-Prüfer haben natürlich auch einiges mit Psychologie zu tun …)

Anschließend erstellen Sie ein detailliertes Unterweisungskonzept … und führen Sie hierzu rechtzeitig vor Ihrer Ausbildereignungsprüfung mindestens eine Übung / eine Generalprobe mit einem Auszubildenden durch, der den betreffenden Lerninhalt noch nicht kennt.

 

Was würden Sie antworten?

Ein Prüfling hatte Folgendes zur ‘Unterweisung’ gefragt:

ich habe inzwischen meinen Unterweisungsentwurf zur Vier-Stufen-Methode erstellt. Allerdings bin ich mir zu einigen Punkten noch unsicher. Was halten Sie von folgender Vorgehensweise?

“Hallo, Frau …, wie ich Ihnen letzte Woche angekündigt hatte, wollen wir heute eine kleine Unterweisung durchnehmen.

Ich hoffe, Sie hatten ein erholsames Wochenende und fühlen sich fit für die jetzige Unterweisung.

Unser Kollege, Herr Lanzenspietz, hatte Ihnen ja bereits einen ersten Überblick in unseren Bereich ‘Druckvorstufe’ gegeben. In dieser Woche werde ich mit Ihnen verschiedene Formulare besprechen, die für den Produktionsablauf sehr wichtig sind.

Es geht jetzt um das “Ausfüllen einer Dekorspezifikation von Kronenkorken”. Sie sehen hier dieses Formular (Das hänge ich vergrößert an die Pinnwand.)

Am Ende der Unterweisung werden Sie dieses Formular selbstständig und korrekt ausfüllen können.

Sie hatten ja in den Abteilungen Wareneingang und Einkauf bereits mit Materialien und Lacken zu tun. Diese finden nun auch in diesem Formular. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir die Unterweisung positiv abschließen werden.”

Ich würde gerne wissen, wie ich in Stufe 3 und Stufe 4 den Azubi motivieren und loben kann. Ich finde das richtig schwer.

Was würden Sie diesem Prüfling antworten, um den Ausbilderschein zu bekommen?

Ich hatte darauf hingewiesen, dass er mit der 4-Stufen-Methode die falsche Ausbildungsmethode gewählt hatte. – Wenn er für die praktische Prüfung zum Ausbilderschein die falsche Methode wählt wurde, wird das ein K.-O.-Kriterium!

 

Tipp: spezielle Hinweise zur Ausbildungsmethode Lehrgespräch

 

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