Ausbilderschein – Einzelfragen

Ausbilderschein, Ausbildereignungschein oder AdA-Schein sind die umgangssprachlichen Begriffe für den Nachweis über den Erwerb der berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO).

Den Ausbildereignungsschein bekommt man, sofern man die Ausbildereignungsprüfung bestanden hat. – § 5 AEVO: “Über die bestandene Prüfung ist jeweils ein Zeugnis nach den Anlagen 1 und 2 auszustellen.”

In Anlage 1 geht es nur um die Aussage “Bestanden”; siehe Abbildung:

Anlage 1 zur AEVO: AdA-Scehin

 

Anlage 2 zeigt in Prozent-Punkten und Noten, wie gut die Ausbildungsprüfung bestanden wurde:

Anlage 2 zur AEVO, AdA-Schein

 

Und so sieht das Prüfungszeugnis der IHK Koblenz, Variante 2, aus:

 

Was bedeutet “Ausbilderschein IHK”?

Typischerweise wird die Ausbildungsprüfung vor einer Industrie- und Handelskammer (IHK) abgelegt.

Handwerksmeister legen die Ausbilderprüfung typischerweise im Rahmen ihrer Meisterprüfung (als Teil IV) bei einer Handwerkskammer (HwK) ab.

So genannte Industriemeister legen die Ausbildereignungsprüfung typischerweise vor einer IHK ab.

“Ausbilderschein IHK” ist ein Begriff, der häufig im Internet verwendet wird, ohne dass es hierzu eine spezielle Definition gibt. Sofern diese Begriffskombination überhaupt bewusst verwendet wird, ist damit der AdA-Schein gemeint, den man nach bestandener Ausbilderprüfung bei einer IHK erhält.

Das Prüfungszeugnis wird von manchen IHKs unmittelbar im Anschluss an den praktischen (mündlichen) Teil der AdA-Prüfung ausgehändigt, andere IHKs verschicken es kurze Zeit später per Post.

Auf Antrag wird die Prüfungsurkunde auch in englisch und in französisch ausgestellt. (§ 56 Abs. 1 Satz 2 BBiG regelt die entsprechende Anwendbarkeit des § 37 Abs. 3 auf Fortbildungsprüfungen.) Die Kosten hierfür betragen zum Beispiel bei der IHK Köln jeweils 26,00 EUR.

 

Gibt es einen Unterschied, ob man den AdA-Schein bei einer IHK oder einer HwK (Handwerkskammer) macht?

Aus rechtlichen Gründen nein, aus Gründen der Prüfungs-Schwierigkeit ja!

Die Rechtsgrundlage ist grundsätzlich dieselbe: die “Ausbilder-Eignungsverordnung” (AEVO).

Für die Handwerkskammern gibt es die “Verordnung über die Meisterprüfung in den Teilen III und IV im Handwerk und in handwerksähnlichen Gewerben (Allgemeine Meisterprüfungsverordnung – AMVO)”, die inhaltlich an die AEVO angepasst ist.

Das AEVO-Prüfungsverfahren ist jedoch unterschiedlich: Die IHKs verwenden für die schriftlichen AEVO-Prüfungsfragen das ‘Multiple Choice-System’, also mit Auswahlantworten zum Ankreuzen. Die Handwerkskammern stellen dagegen offene Fragen, die von den Prüflingen mit selbst formulierten Texten beantwortet werden müssen. 

 

Wer braucht den Ausbilderschein IHK / HwK?

Grundsätzlich muss jeder Ausbilder, der gegenüber der IHK (oder einer anderen ‘zuständigen Stelle’, zum Beispiel Handwerkskammer) verantwortlich ist, seine entsprechende Eignung nachweisen.

Von diesem Nachweis sind die Angehörigen der ‘freien Berufe’ (Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, usw.) befreit. [Anmerkung: Es wird offenbar unterstellt, dass die Angehörigen der freien Berufe die betreffende Eignung mit der Geburt erworben haben; deshalb müssen sie sich nicht der AEVO-Prüfung unterziehen ….]

Die §§ 6 und 7 AEVO enthalten Hinweise, unter welchen Umständen auf den Nachweis durch die Ausbilderprüfung ganz oder teilweise verzichtet werden kann.

Insbesondere Fachwirt-Absolventen brauchen nach dieser Regelung lediglich an der praktischen = mündlichen AdA-Prüfung teilzunehmen. – Es gibt weitere Fälle, in denen sogar weder die schriftliche, noch die mündliche Prüfung als Nachweis über den Erwerb der berufs- und arbeitspädagogischen Eignung erforderlich sind.

Viele fachliche Details zur Vorbereitung auf die AdA-Prüfungsfragen,
unter anderem zur fachlichen Eignung der Ausbilder,
finden Sie innerhalb der AEVO-Lernkartei:

 

Ist für die Umschulung von Mitarbeitern der AEVO-Schein erforderlich?

Fallbeschreibung:

  • Ausbildung des Umschülers innerhalb eines Betriebes in Wuppertal – mit zweijähriger Dauer zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel (= anerkannter Ausbildungsberuf)
  • Übergeordneter Kostenträger der Umschulung ist die Deutsche Rentenversicherung; begleitender Träger ist ein privatwirtschaftlicher Weiterbildungsträger.
  • Der Umschüler besucht die Berufsschule in Wuppertal.
  • Das Ausbildungsverhältnis ist bei der IHK Wuppertal eingetragen.
  • Die widerrufliche Zuerkennung der Eignung für den betreffenden Ausbildungsberuf liegt vor.

Fragestellung: Benötigt der Ausbilder für diese Umschulung den Ausbilderschein? – Die IHK Wuppertal und die IHK Düsseldorf, Außenstelle Velbert, machen hierzu unterschiedliche Aussagen.

Antwort: Ja, Begründung:

Das BBiG regelt in §§ 55 ff die Umschulung. Nach § 60, letzter Satz, gelten die §§ 27 bis 33 BBiG entsprechend.

§ 28 (1) 2 BBiG: “Auszubildende darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist.”

“Ausbilder und Ausbilderinnen haben für die Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetz den Erwerb der berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nach dieser Verordnung nachzuweisen.”, § 1, Satz 1 AEVO

§ 4 (1) Satz 1 AEVO: “Die Eignung nach § 2 ist in einer Prüfung nachzuweisen.” Das ist im Normalfall der AEVO-Schein.

Viele fachliche Details für Ihre Prüfungsvorbereitung,
unter anderem zur persönlichen und fachlichen Eignung der Ausbilder,
finden Sie innerhalb der AEVO-Lernkartei:

 

Kann man zur Ausbilderprüfung zugelassen werden, wenn man keine abgeschlossene Berufsausbildung hat?

Ja!

Früher war die abgeschlossene Berufsausbildung eine Zulassungsvoraussetzung für die Ausbildungseignungsprüfung, aber es gab auch gewisse Ausnahmeregelungen. – Heute ist eine abgeschlossene Berufsausbildung keine Voraussetzung mehr!

 

Bei welcher IHK kann / darf man die Ausbilderprüfung ablegen?

In Deutschland gibt es 79 IHKs.

Es besteht eine klare Regelung, welche IHK im Einzelfall für die Abnahme der AEVO-Prüfung zuständig ist:

  • entweder die IHK des IHK-Geschäfts-Bereiches, in dem der Prüfling wohnt
  • oder die IHK des IHK-Geschäfts-Bereiches, in dem der Prüfling beschäftigt ist oder
  • die IHK des IHK-Geschäfts-Bereiches, in dem der Veranstalter der Vorbereitungsmaßnahme (AEVO-Päsenzseminar oder AEVO-OnlineKurs) seinen Geschäftssitz hat.

In dem einen Extremfall ist für alle drei Fälle nur eine einzige IHK zuständig. Im anderen Extremfall sind es drei verschiedene IHKs, zwischen denen der Prüfling wählen kann.

 

Wird man zur mündlichen Prüfung auch dann eingeladen, wenn man den schriftlichen Prüfungsteil nicht bestanden hat?

Vorab: Stimmen Sie sich darauf ein, dass Sie die schriftliche Prüfung bestehen!

Wenn überhaupt, fällt jemand durch die mündliche Prüfung durch. Aber auch das muss nicht sein, sofern man sich konsequent auf die Ausbilderprüfung vorbereitet hat. – Eine gute Vorbereitung ist sogar innerhalb von nur etwa 30 Stunden (alles in allem!) möglich!

Die Einladung zur praktischen Prüfung werden Sie auch dann erhalten, falls Sie den schriftlichen Teil der AdA-Prüfung nicht bestanden haben sollten. – Ggf. wiederholen Sie nur den Teil der Prüfung, den Sie nicht bestanden hatten.

Erfahrungen von Prüflingen zur AdA-Prüfung

 

Sind die Ergebnisse der mündlichen AdA-Prüfung von der Tageszeit abhängig?

Es gibt eine wissenschaftlichen Untersuchung zweier renommierter Universitäten (Columbia University, Ben Gurion-University) über die Milde bzw. die Strenge von Richtern in Strafprozessen: Morgens und nach der Mittagspause werde relativ milde geurteilt. Die Urteile fielen morgens zu 65% zugunsten der Beschuldigten aus, kurz vor der Mittagspause fast nur noch zum Nachteil der Beschuldigten. (Quelle: WDR, Sendung ‘hart aber fair’ vom 20. April 2015)

Eine mündliche Ausbilderprüfung ist zwar kein Strafprozess, aber die AEVO-Prüfer könnten einmal darüber reflektieren, ob auch ihre Entscheidungen dem Phänomen dieser ‘Kantinenstudie’ entsprechen. – Der DIHT könnte eine entsprechende Untersuchung durchführen …

 

Wie häufig darf man die AdA-Prüfung wiederholen?

Zweimal, es sind also insgesamt drei Versuche möglich. – Infos zu AdA-Prüfung nicht bestanden.

 

Darf man Auszubildende einstellen und ausbilden, sofern man noch keinen AdA-Schein hat?

Ja, auf Antrag, sofern die zuständige Stelle (also insbesondere die IHK) zustimmt.

Die IHK wird in einem solchen Fall aber die Auflage machen, dass das AEVO-Prüfungszeugnis vom betreffenden Ausbildenden oder Ausbilder bis zu einem bestimmten Termin vorgelegt wird.

Generell ist die Frist so bemessen, dass die betreffende Person sich bis dahin ohne zeitlichen Druck auf die Ausbilderprüfung vorbereiten kann, zum Beispiel durch eines der herkömmlichen Präsenzseminare oder durch Teilnahme an einem AEVO-OnlineKurs. (Ein AEVO-OnlineKurs erfordert einen deutlich geringerem Zeit- und Kostenaufwand.)

Sie können Teile eines AEVO-OnlineKurs gratis nutzen.

 

Welchen persönlichen Nutzen hat man als Angestellter vom AEVO-Schein?

Wer bei einer Bewerbung um eine neue berufliche Tätigkeit das Prüfungszeugnis nach AEVO vorlegen kann, weist insoweit seine berufs- und arbeitspädagogische Qualifikation nach.

Diese Qualifikation ist nicht nur sinnvoll für die Ausbildung von Auszubildenden, sondern auch für die Mitwirkung bei Weiterbildungs-Maßnahmen.

 

Wie gut sind die IHK-Seminare, die auf die Ausbilderprüfung vorbereiten?

Diese Frage lässt sich hier genauso wenig beantworten, wie man allgemeine Aussagen zu den privaten Unternehmen machen kann, die ebenfalls Seminare zur Vorbereitung auf diese Prüfung anbieten …

Aber Sie sollten die Möglichkeit wahrnehmen, Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei zu nutzen. Sofern Sie sich mit meinem AEVO-OnlineKurs vorbereiten, brauchen Sie hierfür nur 24 bis 32 Stunden!

 

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