Ausbildereignungsprüfung – übersichtlich dargestellt

Etwa 90.000 Prüflinge unterziehen sich in Deutschland pro Jahr der Ausbildereignungsprüfung bei den IHKs.

Hinzu kommen noch die Prüflinge, die die Ausbildereignungsprüfung im Rahmen ihrer Meisterausbildung (als Teil IV) bei den Handwerkskammern (HwK) ablegen.

Die Durchfaller-Quote bei den IHKs liegt bei etwa 12%. Der größte Teil der Durchfaller scheitert an der (‘mündlichen’) praktischen Prüfung.

 

Welche Eignung brauchen die AusbilderInnen nach BBIG (von 2005)

  • § 29 BBiG verlangt die persönliche Eignung der AusbilderInnen.
  • § 30 BBiG verlangt die fachliche Eignung der AusbilderInnen.

 

Was ist unter ‘fachlicher Eignung’ zu verstehen?

Nach § 30 BBiG setzt sich die fachliche Eignung aus einer beruflichen Eignung (§ 30 Abs. 2 BBiG) und einer berufs- und einer arbeits-pädagogischen Eignung (§ 4 Ausbildereignungsverordnung / AEVO) zusammen, siehe Diagramm:

 

Welches ist die Rechtsgrundlage für die Ausbildereignungsprüfung?

§ 30 (5) BBiG besagt, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung bestimmen kann, dass die berufs- und arbeitspädagogischen Eignung (präziser: der Erwerb berufs- und arbeitspädagogischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten) nachzuweisen ist.

Das zuständige Bundesministerium hat davon Gebrauch gemacht: Die erste Version der AEVO wurde 1972 erlassen und regelte erstmalig die berufs- und arbeitspädagogische Qualifizierung der AusbilderInnen in Deutschland, und zwar für die gewerbliche Wirtschaft. Rechtsgrundlage für die AEVO war damals § 21 Berufsbildungsgesetz (BBiG von 1969).

Die aktuelle Version der stammt von 2009 (zweite Novellierung der AEVO seit 1972).

Im Handwerk ist die AEVO jetzt in die Meisterprüfungsordnung eingebunden.

 

Was versteht die AEVO unter der berufs- und arbeitspädagogische Eignung?

Nach § 2 Ausbildereignungsverordnung umfasst die berufs- und arbeitspädagogische Eignung die Kompetenz zum selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren der Berufsausbildung in vier so genannten Handlungsfeldern.

Die vier Handlungsfelder werden wie folgt bezeichnet:

  • Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  • Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
  • Ausbildung durchführen
  • Ausbildung abschließen

 

Wodurch weisen Sie Ihre Ausbildereignung nach?

§ 4 AEVO regelt, wie die Ausbildereignung nach § 2 Ausbildereignungsverordnung in einer Prüfung nachzuweisen ist; das ist die so genannte Ausbildereignungsprüfung.

Die Ausbildereignungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen (umgangssprachlich: mündlichen) Teil.

Die Prüfung ist bestanden, wenn jeder Prüfungsteil mit mindestens „ausreichend“ bewertet wurde.

Für die Abnahme der Ausbildereignungsprüfung richtet die zuständige Stelle (Das ist die IHK oder die Hwk.) einen speziellen Prüfungsausschuss ein.

Anders als bis vor 2009 gibt es inzwischen keine Zulassungsvoraussetzungen mehr für die Teilnahme an der Ausbildereignungsprüfung.

Die Ausbildereignungsprüfung ist beim Handwerk als Teil IV in die Meisterprüfung integriert worden.

 

Wie sieht der schriftliche Teil der Ausbildereignungsprüfung aus?

Im schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung sind fallbezogene Aufgaben aus allen Handlungsfeldern (siehe oben) zu bearbeiten.

Die schriftliche Prüfung soll drei Stunden dauern.

Im schriftlichen Prüfungsteil sind fallbezogene (handlungsorientierte) Aufgaben aus allen Handlungsfeldern der Ausbildung zu lösen.

Die Prüfungsaufgaben bestehen bei den meisten IHKs aus Multiple-Choice-Aufgaben (Programmierte Aufgaben) mit meist fünf Antwort-Alternativen. Die Anzahl der richtigen Lösungen wird mit angegeben. Die Bewertung erfolgt nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“: Eine Aufgabe wird nur dann als richtig bewertet, wenn alle richtigen Lösungen erkannt wurden.

Der schriftliche Teil der Ausbildereignungsprüfung wird bei den meisten IHKs am PC- oder mit dem Tablet durchgeführt.

Bei den Handwerkskammern (HwK) wird der schriftliche Prüfungsteil noch immer in Form von offenen Fragen durchgeführt; diese Fragen werden von den Prüflingen mit eigenen Formulierungen beantwortet. (Gleiches gilt auch noch für die IHK Hannover.)

 

Wer braucht nicht am schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung teilzunehmen? 

Absolventen von IHK-Fortbildungsprüfungen können auf Antrag vom schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung befreit werden.

Aufzählung der Fachwirt-Arten:

Bank- , Industrie- , Handels- und Tourismusfachwirte, Technische Fachwirte, Veranstaltungsfachwirte, Versicherungsfachwirte, Verkehrsfachwirte, Wirtschaftsfachwirte, Fachwirte für Büro- und Projektorganisation oder für Güterverkehr & Logistik oder im Sozial- und Gesundheitswesen oder für Versicherungen und Finanzen 

Info für Fachwirte

 

Wie sieht der praktische Teil der Ausbildereignungsprüfung aus?

Der praktische Prüfungsteil besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation oder aus einer ‘Unterweisungund einem Fachgespräch.

Unterweisung‘ ist der frühere Begriff, der auch noch heute weit verbreitet ist. – Die aktuelle Ausbildereignungsverordnung formuliert: eine Ausbildungssituation praktisch durchführen; oder anders formuliert: ‘Durchführung einer Ausbildungssituation’.

Inhalt des Fachgesprächs: “Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern.”

Die Präsentation oder die ‘Unterweisung’ soll 15 Minuten nicht überschreiten.

Die praktische Prüfung (Präsentation oder ‘Unterweisung’ plus Fachgespräch) darf insgesamt höchstens 30 Minuten dauern.

Wer darf wählen?

Hinweis: Der praktische Teil der Ausbildereignungsprüfung wurde bei einigen IHKs und HwKs jahrelang rechtswidrig durchgeführt. Es ist nicht auszuschließen, dass einige Prüfungsausschüsse die Ausbildereignungsprüfung noch immer nicht rechtskonform durchführen. 

Hinweis: Etwa 12% der Prüflinge scheitern am praktischen Teil der Ausbildereignungsprüfung. Lesen Sie hier ein paar ‘Erlebnisberichte‘.

 

Wie hoch sind die IHK-Kosten für die Ausbildereignungsprüfung?

Die IHK-Gebühren sind sehr unterschiedlich: Für die bundesweit einheitlich geregelte Ausbildereignungsprüfung verlangt zum Beispiel die IHK Berlin nur 90 EUR, die IHK Essen dagegen 300 EUR … (Stand: Juli 2018)

Für Fachwirte, die lediglich an der praktischen Prüfung teilnehmen, werden jeweils geringere Gebühren berechnet.

Hier finden Sie wichtige Besonderheiten einiger IHKs

 

Müssen Sie an einem Vorbereitungskurs zur Ausbildungeignunsprüfung teilgenommen haben?

Nein, es gibt keine Rechtspflicht, dass Sie sich mit Hilfe eines Seminars / eines OnlineKurses auf die Ausbildereignungsprüfung vorbereiten und die Teilnahme an einer solchen Maßnahme nachweisen. – Seltsamerweise fragen die (meisten?) IHKs jedoch in ihren Anmeldeformularen, wo / an welcher Vorbereitungsmaßnahme ein Prüfling teilgenommen hat.

Teilnehmer, die angegeben haben, nicht an einer solchen Vorbereitung teilgenommen zu haben, beklagen sich jedoch hin und wieder, dass sie wohl (auch) deshalb im praktischen Teil der Ausbildereignungsprüfung durchgefallen sind.

 

Welches ist der klassische Weg zur Ausbildereignungsprüfung?

Jahrzehntelang hatten sich die Prüflinge durch Teilnahme an so genannten Ausbilderseminaren (‘Ausbildung der Ausbilder’) in Präsenzveranstaltungen auf die Ausbildereignungsprüfung vorbereitet.

  • Die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) empfohlene Lehrgangs- / Seminardauer beträgt 115 Stunden!
  • Seminare der IHKs dauern im Normalfall zehn Werktage – jeweils von 9:00 Uhr bis 16:30 Uhr (Zeitangabe IHK Köln).
  • Inzwischen haben einige IHKs so genannte ‘Kompakt- / Crashkurse’ eingeführt: mit mindestens 70 Stunden Zeitaufwand.
  • Einige Unternehmen haben es durch ein straffes Seminarkonzept geschafft, die Zeit ihrer internen Seminare zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung auf etwa 35 Stunden zu senken.

 

Wie sieht der neue Weg zur Ausbildereignungsprüfung aus?

In Zeiten von PC / Mac, Tablet und Smartphone haben sich AEVO-Onlinekurse längst als attraktive Alternative zu herkömmlichen Präsenz-Seminaren entwickelt.

Manche AEVO-Onlinekurse bieten keinerlei persönliche Betreuung der Lernenden / der Prüflinge an, andere Onlinekurse haben verschiedene Wege einer persönlichen Betreuung entwickelt.

Im AEVO-Vergleichsportal werden die Konzepte und die Preise zahlreicher Onlinekurse zur Ausbildereignungsprüfung übersichtlich dargestellt: AEVO-Vergleichsportal

nach oben – und zur Navigation