Bewertung des Unterweisungskonzepts

Darf das Unterweisungskonzept bei der AEVO-Prüfung bewertet werden?

Diese Frage ist – nach der Neuregelung der AEVO von 2009 – bereits vor Jahren mit einem begründeten NEIN geklärt worden. Leider hatten einige IHKs das jahrelang nicht kapiert, zum Beispiel die IHK Essen, die IHK Kassel-Marburg und die IHK Dresden.

Konzept / Unterweisungsentwurf darf nicht verlangt und erst recht nicht bewertet werden!

detaillierte Begründung

… Im Grunde ist es ganz einfach, aber vermutlich bedingt das eben gerade die Unsicherheiten.

Die AEVO formuliert in § 4 die Anforderungen an den Nachweis. Dabei wird bekanntermaßen in einen schriftlichen und einen praktischen Teil unterschieden. Im Absatz 3 wird die praktische Prüfung beschrieben bzw. in zwei Teile unterschieden. Der Präsentation oder einer praktischen Durchführung sowie dem Fachgespräch. Die Dauer für diese beiden Leistungen wird mit höchstens 30 Minuten festgelegt, wobei die Präsentation (oder die Durchführung) 15 Minuten nicht überschreiten soll.

Weitere strukturelle Vorgaben gibt es nicht. Das bedeutet zum einen, dass die Verordnung ein Konzept nicht vorsieht. Zum anderen wird keine Gewichtung der beiden Teile vorgegeben. Das bedeutet automatisch, dass zwischen Präsentation (praktische Durchführung) und Fachgespräch gleichgewichtet werden muss, denn alles andere wäre in der VO festgelegt worden, um nicht willkürlich zu sein bzw. um regionale Unterschiede zu vermeiden. Beispiele dafür sind die Fortbildungsverordnungen mit der Gewichtung der mündlichen Ergänzungsprüfung (1/3 zu 2/3) oder die Verordnung zum “Gepr. Fachwirt Versicherungen und Finanzen”, der eine 40-20-40-Gewichtung in der mündl. Prüfung vorsieht.

Der Rahmenplan enthält eine Empfehlung der an der Erarbeitung des Rahmenplans beteiligten Sachverständigen. Oder anders, es wird dazu geraten, ein Konzept zu erstellen und es vorher einzureichen. Es hilft dem Prüfungsteilnehmer und auch dem Prüfungsausschuss – eine Pflicht besteht aber nicht!

Wenn es keine “muss-Regel” ist, kann es auch nicht bewertet werden. Somit ist das Konzept kein Bestandteil der Notenfindung. Unabhängig davon, ob es nun eingereicht wurde oder nicht.

Die IHKs sowie viele Prüfer sind auf mehreren Informationsveranstaltungen im Frühjahr/Sommer über die Neuerungen und deren Umsetzung der AEVO informiert worden.

Quelle: Beitrag vom 07.12.2009 im Forum des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

weitere kompetente Aussage zum Unterweisungsentwurf

… In der Tat haben “wir” den IHKs empfohlen, das Konzept nicht zu bewerten, da die Verordnung es schlicht nicht vorsieht. Ein Konzept wird an keiner Stelle erwähnt, ist also nicht Prüfungsbestandteil. Um es deutlich zu machen: Es fehlt die Rechtsgrundlage ein Konzept einzufordern und/oder es als Bewertungsbestandteil einfließen zu lassen.

Da die neue Verordnung dazu auch noch keine unterschiedliche Gewichtung der beiden Prüfungsleistungen vorsieht, sind beide gleich zu gewichten. Wenn Unterschiede gewünscht sind, wird es in den Verordnungen explizit angegeben, wie bspw. in der VO “Gepr. Fachwirt für Versicherungen und Finanzen”.

Insofern gibt es keine Order des DIHK, sondern eines des Verordnungsgebers, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die AEVO ist in einer Gruppe erarbeitet worden, bei denen die Arbeitgeber, Arbeitnehmer und zuständigen Stellen (also neben IHK auch Handwerk, Landwirtschaft, öffentlicher Dienst sowie BMBF, BMWi und BiBB) vertreten waren. Die jetzige AEVO spiegelt den Konsens dieser Gruppe wider und das BMBF hat zwar die AEVO erlassen, aber sozusagen stellvertretend für die Beteiligten.

Grundsätzlich haben die Rahmenplan-Sachverständigen in einer gemeinsamen Empfehlung sich dafür ausgesprochen, ein Konzept zu erstellen, damit einerseits die Prüfungsteilnehmer sich tatsächlich vorbereiten und andererseits die Prüfer die Gelegenheit erhalten, sich auf die Präsentation/prakt. Durchführung selber vorzubereiten. Auf Veranstaltungen zur neuen AEVO habe ich allerdings auch erfahren, dass viele Prüfer/Prüfungsausschüsse im Grunde gar kein Konzept möchten, sondern sich von der Präsentation/prakt. Durchführung “führen” und überzeugen lassen wollen. Denn letztlich ginge es um die berufs- und arbeitspädagogische Eignung in der ausgewählten Situation und die wäre durchaus auch – vielleicht sogar angemessener/unbefangener – ohne vorheriges Studium der Unterlagen zu beurteilen.

Nebenbei, ich möchte zumindest darauf hinweisen, dass die hier durchaus mal beklagten unterschiedlichen Verfahren und Vorgehen der zuständigen Stellen (oder der Ausschüsse) genauso entstehen, wie es nämlich Hr. Ruschel beschrieben hat: die Ausschüsse legen selbstständig und entsprechend manchmal auch abweichende eigene Regeln fest. Grds. haben die Ausschüsse einen gewollten/gewünschten Spielraum, sie bewegen sich allerdings nicht in einem rechtsfreien Raum.

QuelleBeitrag vom 08.04.2010 im Forum des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

 

Fazit

Sofern das Unterweisungskonzept innerhalb des praktischen Teils der Ausbildereignungsprüfung bewertet wird, ist das rechtswidrig.

Jahrelang haben sich einige IHKs (und auch mindestens eine HwK) über die Vorgaben der AEVO bewusst hinweg gesetzt oder sie waren insoweit inkompetent, nehmen aber für sich in Anspruch, ihre Prüflinge nach den Prüfungsvorgaben der AEVO bewerten zu können …

 

Fachaufsichtsbeschwerden gegen die IHK Kassel-Marburg

Weil sich mehrere IHKs – bereits seit Jahren trotz persönlicher Anschreiben und trotz zahlreicher Posts im Forum des BIBB – rechtswidrig verhalten und das Unterweisungskonzept weiterhin bei der AEVO-Prüfung bewerten, habe ich am 17. März 2014 eine Fachaufsichtsbeschwerde an die zuständige Aufsichtsbehörde der IHK Kassel-Marburg eingereicht:

Aufgrund dieser Fachaufsichtsbeschwerde hat die IHK Kassel-Marburg erklärt, dass sie das Unterweisungskonzept innerhalb der AdA-Prüfung künftig nicht mehr bewertet.

 

Fachaufsichtsbeschwerden gegen die IHK Essen

Am 21. März 2014 habe ich eine weitere Fachaufsichtsbeschwerde gegen die IHK Essen eingereicht, deren Prüferverhalten besonders ‘fragwürdig’ war:

Guten Tag,

ich lege hiermit eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die IHK Essen wegen rechtswidrigem Verhalten in Verbindung mit § 4 AEVO ein.

Begründung:

Die IHK Essen schließt Prüflinge von vorherein von der Teilnahme an der Prüfung nach AEVO aus, wenn diese kein Unterweisungskonzept vorlegen.

Seit 2009 sieht die AEVO keine Zulassungsvoraussetzungen mehr vor; darüber hinaus ist eine Bewertung des geforderten Konzeptes nach AEVO nicht vorgesehen. Andersartigen Bestimmungen sind deshalb rechtswidrig.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mitteilten, ob und ggf. wie Sie gegen diese beanstandete Prüfungsdurchführung der betr. IHK vorgegangen sind.

Beste Grüße aus Waldbröl
Reinhold Vogt

Lesen Sie hier die Antwort der Aufsichtsbehörde NRW (zur Bewertung des Unterweisungsentwurfs)

 

Fachaufsichtsbeschwerde auch gegen eine HwK

Im März 2015 hatte ich schließlich eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die HwK Köln eingereicht (unter anderem wegen der auch dort rechtswidrigen Bewertung des Unterweisungsentwurfs). Auch mit dieser Fachaufsichtsbeschwerde war ich erfolgreich.

 

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