AdA-Schein: Unterweisung oder Präsentation?

Überblick

  • Wer darf wählen?
  • Jahreslanges rechtswidriges Prüfungsverfahren einiger IHKs
  • Warum empfehle ich die Unterweisung?
  • Wie wird die Unterweisung bewertet?

 

Wer darf wählen?

Manche IHKs verwehren den Prüflingen beim Ausbilderschein das Recht, sich für eine Unterweisung oder eine Präsentation zu entscheiden.

Der Wortlaut des § 4 AEVO kann nur so interpretiert werden, dass der Prüfling beim AdA-Schein das alleinige Wahlrecht hat (Ausnahmen im Bereich der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft):

(3) Der praktische Teil der Prüfung besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch mit einer Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten. Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann eine Ausbildungssituation auch praktisch durchgeführt (Anm.: früherer Begriff ‘Unterweisung’) werden.

Der Prüfungsteilnehmer darf also entscheiden, ob er innerhalb des ‘praktischen’ (mündlichen) Teils zum AdA-Schein die ‘Unterweisung’ (korrekt: ‘Durchführung einer Ausbildungssituation’) oder die ‘Präsentation’ wählt; die zuständige Stelle wird in diesem Abschnitt überhaupt nicht erwähnt. Es handelt sich aber auch nur um einzelne IHKs, die versuchen, den Prüflingen das Wahlrecht zu nehmen; die allermeisten IHKs haben mit dem Wahlrecht der Prüflinge überhaupt kein Problem … 

 

Jahreslanges rechtswidriges Prüfungsverfahren einiger IHKs

Die obige Regelung (Teil der AEVO) gilt bereits seit Jan. 2009; aber sogar 2016 gab es noch immer einzelne IHKs, die ihre Ausbildereignungsprüfungen insoweit rechtswidrig durchführen … und vor allem eine Präsentation erleben wollen (warum auch immer) und nicht die ‘Durchführung’ (‘Unterweisung’).

Wegen des in diesem Punkt (Präsentation oder Durchführung / Unterweisung) rechtswidrigen Prüfungsverfahrens habe ich entsprechende Fachaufsichtsbeschwerden gegen drei IHKs eingerecht:

 

Warum empfehle ich die Unterweisung?

In der ‘Durchführung einer Ausbildungssituation’ (‘Unterweisung’) geht es darum, einen berufsfachlichen Inhalt (den die Prüflinge sowieso schon beherrschen) pädagogisch gut zu vermitteln; bei der Präsentation (einer Ausbildungssituation) geht es darum, pädagogische und / oder rechtliche Aspekte einer Ausbildungssituation auch möglichst gut darzubieten.

Ich empfehle den Teilnehmern meiner Seminare und auch den Käufern der AEVO-Lernkartei, für die Ausbilderprüfung ausschließlich die ‘Durchführung’ (umgangssprachlich: ‘Unterweisung’) zu wählen. – Begründungen:

  • Es ist für die Prüflinge im Normalfall leichter, eine gute ‚Unterweisung‘ (also insbesondere ein Lehrgespräch oder eine Vier-Stufen-Methode) anstelle einer guten Präsentation durchzuführen, weil sie ihren berufs-fachlichen Inhalt ja sowieso schon beherrschen, nicht aber schon die Fähigkeit zum Präsentieren.
  • Ein Seminar zur Vorbereitung auf den AdA-Schein soll selbstverständlich die Kompetenz stärken, Auszubildende praktisch ausbilden / unterweisen / unterrichten zu können und dabei die Aktivierung der Auszubildenden zu stimulieren. – Demgegenüber sollte ein solches Seminar sich nicht darauf beschränken, die Präsentations-Kompetenz zu fördern; bei Präsentationen werden die Lernenden / Zuhörenden / Zusehenden in passives Konsumieren gedrängt!
  • Da in den letzten Jahren die Seminarzeiten (aus finanziellen Gründen) immer kürzer sein müssen und auch den Prüflingen eine möglichst kurze Vorbereitungszeit wichtig ist, ist es sinnvoll, sich eher auf gutes pädagogisches Arbeiten zu konzentrieren, anstatt die zur Verfügung stehende Zeit auf ‚praktisches Durchführen‘ (also auf die so genannte Unterweisung) und auf  eine Präsentation aufzuteilen.
  • Ausbilder haben im Berufsalltag eher / häufiger Auszubildende zu unterweisen / zu unterrichten, als vor dem Betriebsrat oder der Geschäftsleitung Präsentationen darzubieten!
  • Nach meiner Kenntnis stellen Prüfer bei der Prüfung zum AdA-Schein teilweise sehr hohe Anforderungen an die Präsentation, was ich nicht nachvollziehen kann. – Außerdem: Die Anforderungen der Prüfer in den einzelnen IHKs an die ‚Durchführung‘ (‘Unterweisung’) unterscheiden sich seit Jahren leider recht erheblich (Das kann ich belegen.), aber noch mehr Unterschiedlichkeit gibt es bei der Bewertung von Präsentationen …!
  • Der allgemein hochgelobte Nutzen von Präsentationen wird von der pädagogischen Wissenschaft angezweifelt. Christof Wecker (Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Uni Hildesheim) hat auf der Basis von 40 weltweit veröffentlichter Studien eine Metaanalyse durchgeführt und kommt zum Schluss: „Der Effekt ist klein – die Zuhörer lernen nur ein kleines Bisschen mehr, wenn der Vortragende Folien einsetzt.“ … also: Eine Medien-gestützte Präsentation bringt nur einen sehr geringen Mehrwert.

Aus diesen Gründen führen die TN meiner Seminare zur Vorbereitung auf den Ausbilderschein bereits seit Jahren ausschließlich nur noch die so genannten Unterweisungen durch; ich bereite meine TeilnehmerInnen bereits seit Jahren nicht mehr auf die Präsentation vor.

 

Wie wird die Unterweisung bewertet?

Die IHKs haben für die Ausbildereignungsprüfung jeweils ihre eigenen Bewertungs-Checklisten; aber diese Checklisten enthalten meist dieselben Bewertungs-Schwerpunkte.

Innerhalb meiner Seminare zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung und im AEVO-OnlineKurs der AEVO-Experten verwenden wir eine universelle Checkliste. Diese Bewertungs-Checkliste hat sich bei der Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung seit vielen Jahren bewährt!

Innerhalb des AEVO-OnlineKurses (und zwar beim Aufbau-Modul) werden die einzelnen Kriterien ausführlich kommentiert. 

ÜbrigensSie können mehrere Teile des AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen.

Eine in mehrere Punkten kritisierbarer Bewertungsbogen der IHK Essen:

Bewertungsbogen IHK Essen

 

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