AdA-Schein: Unterweisung oder Präsentation?

Überblick

  • Wer darf wählen?
  • Jahrelanges rechtswidriges Prüfungsverfahren einiger IHKs
  • Warum empfehle ich die Unterweisung?
  • Aussage des stellvertretenden Leiters ‘Aus- und Weiterbildung’ der IHK Koblenz
  • Wie wird die Unterweisung bewertet?

 

Wer darf wählen?

Manche IHKs verwehren den Prüflingen beim Ausbilderschein das Recht, sich entweder für die Unterweisung oder für die Präsentation zu entscheiden.

§ 4 AEVO kann nur so interpretiert werden, dass der Prüfling beim AdA-Schein das alleinige Wahlrecht hat. 

“(3) Der praktische Teil der Prüfung besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch mit einer Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten. Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann eine Ausbildungssituation auch praktisch durchgeführt werden.”

praktisch durchgeführt werden = Durchführung einer Ausbildungssituation; früherer Begriff: ‘Unterweisung’

Für den Bereich der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft gibt es abweichende Regelungen; sie sind entsprechend formuliert.

Der Prüfling darf also entscheiden, ob er innerhalb des praktischen Teils zum AdA-Schein die Unterweisung oder die Präsentation wählt. Die zuständige Stelle wird im betreffenden AEVO-Text überhaupt nicht erwähnt.

Es handelt sich aber auch nur um einzelne IHKs, die versuchen, den Prüflingen das Wahlrecht zu nehmen. Die allermeisten IHKs haben mit dem Wahlrecht der Prüflinge überhaupt kein Problem … 

 

Jahrelanges rechtswidriges Prüfungsverfahren einiger IHKs

Der betreffende AEVO-Text gilt bereits seit Jan. 2009. Aber sogar 2018 gab es noch immer einzelne IHKs, die ihre Ausbildereignungsprüfungen insoweit rechtswidrig durchgeführt haben. Diese IHKs wollen vor allem eine Präsentation erleben und nicht die Durchführung.

Wegen dieses rechtswidrigen Prüfungsverfahrens habe ich unter anderem gegen folgende IHKs Fachaufsichtsbeschwerden  eingerecht:

 

Warum empfehle ich die Unterweisung?

In der Unterweisung geht es darum, einen berufsfachlichen Inhalt pädagogisch gut zu vermitteln. Den berufsfachlichen Inhalt beherrschen die Prüflinge sowieso schon.

Bei der Präsentation geht es darum, pädagogische oder rechtliche Aspekte einer Ausbildungssituation zusätzlich möglichst gut darzubieten.

Ich empfehle den Teilnehmern meiner Seminare, für die Ausbilderprüfung ausschließlich die Unterweisung zu wählen.

Begründungen

  • Es ist für die Prüflinge im Normalfall leichter, eine gute Unterweisung anstelle einer guten Präsentation durchzuführen. (Das bestätigte mir auch der stellvertretende Leiter ‘Aus- und Weiterbildung der IHK Koblenz, siehe weiter unten. – Dort finden Sie auch den Link zu einem weiteren Fall.) Den berufs-fachlichen Inhalt beherrschen die Prüflinge ja bereits, nicht aber schon die Fähigkeit zum Präsentieren!
  • Ein Seminar zur Vorbereitung auf den AdA-Schein soll selbstverständlich die Kompetenz stärken, Auszubildende praktisch auszubilden und dabei die Aktivierung der Auszubildenden zu stimulieren. – Bei Präsentationen werden die Lernenden in passives Konsumieren gedrängt!
  • In den letzten Jahren mussten die Seminarzeiten aus finanziellen Gründen immer kürzer werden. Auch den Prüflingen ist eine möglichst kurze Vorbereitungszeit wichtig. Deshalb ist es sinnvoll, sich eher auf gutes pädagogisches Arbeiten zu konzentrieren, anstatt die zur Verfügung stehende Zeit zwischen Unterweisung und Präsentation aufzuteilen.

weitere Gründe

  • Ausbilder haben im Berufsalltag eher Auszubildende zu unterrichten, als vor dem Betriebsrat oder der Geschäftsleitung Präsentationen darzubieten!
  • Nach meinen Erfahrungen stellen Prüfer bei der Prüfung zum AdA-Schein teilweise sehr hohe Anforderungen an die Präsentation. Das kann ich nicht nachvollziehen! – Außerdem: Die Anforderungen der Prüfer in den einzelnen IHKs an die Durchführung unterscheiden sich seit Jahren leider recht erheblich. Aber noch mehr Unterschiedlichkeit gibt es bei der Bewertung von Präsentationen; siehe Fall 4.
  • Der teilweise hochgelobte Nutzen von Präsentationen wird von der pädagogischen Wissenschaft angezweifelt. Christof Wecker hat auf der Basis von 40 weltweit veröffentlichter Studien eine Metaanalyse durchgeführt. Christof Wecker, Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Uni Hildesheim, kommt zum Schluss: „Der Effekt ist klein. … Die Zuhörer lernen nur ein kleines Bisschen mehr, wenn der Vortragende Folien einsetzt.“ Eine Medien-gestützte Präsentation bringt also nur einen geringen Mehrwert. – Gewichtiger sind jedoch die obigen beiden Begründungen!

Aus diesen Gründen führen die Teilnehmer meiner Seminare zur Vorbereitung auf den Ausbilderschein seit Jahren ausschließlich nur noch Unterweisungen durch. Ich bereite meine TeilnehmerInnen bereits seit Jahren nicht mehr auf Präsentationen vor.

Gleiches gilt für meinen AEVO-OnlineKurs. – Wollen Sie Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen?

 

Beweis: Aussage des stellv. Leiters ‘Aus- und Weiterbildung’ der IHK Koblenz

“… die mündlichen Prüfungsergebnisse fallen seit der letzten Novelle der Prüfungsordnung durchgehend schlechter aus als bei den schriftlichen Prüfungen (dort hat sich gegenüber der früheren Verordnung auch inhaltlich kaum etwas geändert). Aber genau diesem Prozess wollen wir – unabhängig vom Bildungsträger – begegnen, indem wir versuchen bei den Ursachen ein “bestimmtes” Muster zu finden. Am meisten Probleme bereitet wohl die Präsentation.”

Diese Information war für mich nichts Neues!

Ich erhielt diese Information innerhalb meiner Auseinandersetzung mit der IHK Koblenz. Diese Auseinandersetzung endete damit, dass die praktische AdA-Prüfung durch die IHK Koblenz annulliert werden musste, nachdem fünf meiner Seminarteilnehmer die Prüfung zunächst ungerechtfertigt / rechtswidrig nicht bestanden hatten.

Auch dieser Hintergrund (“Am meisten Probleme bereitet wohl die Präsentation.”) könnte alle Prüflinge veranlassen, die Präsentation nicht zu wählen!

ein weiterer Beweis:
Ein wirklich cleverer Prüfling war bei der IHK Köln – bei zwei verschiedenen Prüfungskommissionen – mit seiner Präsentation durchgefallen. Die beiden Prüfungskommissionen hatte nach Auskunft des Prüflings jeweils völlig unterschiedliche Vorstellungen von der Präsentation. Danach hatte er Kontakt zu mir aufgenommen. Ich habe ihn dann auf eine Durchführung vorbereitet. Im dritten Anlauf hat er seine AdA-Prüfung bei der IHK Bonn mit sehr gut (92%-Punkte) bestanden! – Sie können die Details dieses Falls auf einer separaten Unterseite lesen: Fall 4

noch ein Beweis:
Mein Kurslehrer hat uns damals klipp und klar gesagt, was geht und was eben nicht. Das ging so weit, dass er uns alle genötigt hat, ein Lehrgespräch durchzuführen, da die Durchfallrate bei Präsentationen exorbitant hoch war (das unterscheidet sich von Kammer zu Kammer)” Quelle: Post im offiziellen Forum des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

 

Wie wird die Unterweisung bewertet?

Die IHKs haben für die Ausbildereignungsprüfung jeweils ihre eigenen Bewertungs-Checklisten. Diese Checklisten enthalten aber meist dieselben Bewertungs-Schwerpunkte.

Innerhalb meiner Seminare zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung und in meinem AEVO-OnlineKurs verwenden wir eine universelle Checkliste. Diese Bewertungs-Checkliste hat sich bei der Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung seit vielen Jahren bewährt!

Innerhalb des AEVO-OnlineKurses kommentiere ich die einzelnen Kriterien ausführlich. – Sie können übrigens mehrere Teile des AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen.

 

Ein in zahlreichen Punkten kritisierbarer Bewertungsbogen der IHK Essen:

Bewertungsbogen IHK EssenDetail-Kritik am Prüfungsverfahren der IHK Essen und auch speziell an deren Bewertungsbogen

 

Pädagogische Details innerhalb der AEVO-Lernkartei

Die AEVO-Lernkartei enthält 380 Lernkarten, aber nur zwei betreffen (auch) die Präsentation:

Der Pädagogik-Teil der AEVO-Lernkartei umfasst folgende Abschnitte:

  • lerntheoretische Grundlagen (Lernkarten-Nummern von 141 bis 163)
  • Modell der vollständigen Handlung (Lernkarten-Nummern von 164 bis 172)
  • Kompetenzarten (Lernkarten-Nummern von 173 bis 184)
  • Lernziele (Lernkarten-Nummern von 185 bis 208)
  • Ausbildungsmethoden (Lernkarten-Nummern von 209 bis 237)
  • Fragetechnik (Lernkarten-Nummern von 238 bis 245)
  • Unterrichtshilfsmittel (Lernkarten-Nummern von 246 bis 248)

Möchten Sie ein paar Rückmeldungen von Käufern der AEVO-Lernkartei kennen lernen / überfliegen?

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